Leben

Wie wir morgen essen werden

Ernährungstrends

essen der zukunft

Immer wieder entwickeln sich neue Ernährungstrends. Die einen wollen damit ihre Gesundheit fördern oder einfach mal etwas Neues ausprobieren, andere wollen abnehmen oder verändern ihre Gewohnheiten aus ethischen Gründe. „Essen wird zum Stilmittel. Künftig definieren wir uns über unsere Ernährung. Was wir wann wie und mit wem genießen.“ So lautet die These von Ernährungsexpertin Hanni Rützler im „Food Report 2016“. Lesen Sie über aktuelle Trends und Prognosen der Ernährungsbranche. 

I. Wir kaufen Regionalität. 

„Regional“ ist das neue „Bio“. Konsumenten wünschen sich vertrauenswürdige Lebensmittel, das Wissen um Herkunft und Frische, kurze Lieferwege und die Förderung lokaler Erzeuger sind dabei wohl die wichtigsten Aspekte. Die Menschen wünschen sich in einer hektischen und vernetzten Welt zunehmend Nähe und Identität. Regionalität kann diese Sehnsucht stillen und Vertrauen schaffen. 

II. Wir machen ́s selbst.

„Do it yourself“ ist ein Lebensstil. Was früher als spießig galt, wird in unserer schnelllebigen und technisierten Zeit zur Entschleunigungs-Methode. Gemüse aus dem Garten, Kräuter vom Balkon, selbstgebackenes Brot und eingemachte Marmelade liegen im Trend. „Dahinter steht der Wunsch nach Autarkie und Individualisierung“, so Ernährungsexpertin Hanni Rützler. Und man zeigt es auch stolz her, z.B. auf Instagram und Facebook. So ganz ohne Internet geht’s also doch nicht – und es ist auch das ideale Medium für DIY-Blogs, Rezept-Tauschbörsen und Einmachanleitungen. 

III. Wir sind Flexitarier. 

Fleischskandale, Massentierhaltung und der Aspekt der nachhaltigen Ernährung veranlassen die sogenannten „Teilzeitvegetarier“ immer häufiger dazu, mehrmals pro Woche bewusst auf Fleisch zu verzichten. An diesen Tagen kommen Obst und Gemüse aus Bio-Anbau sowie Vollkorn- und Sojaprodukte auf den Tisch. Statt billiger Massenware kaufen Flexitarier weniger, aber teureres Bio-Fleisch. 

IV. Wir bestellen Lebensmittel online.

Wir kaufen Kleidung, Möbel, Bücher und Elektronikprodukte bequem von zuhause aus – und auch das Angebot an Lebensmitteln im Internet wächst. Manche Supermärkte liefern mittlerweile sogar Tiefkühlprodukte und frisches Brot bis zur Haustür. Andere Anbieter liefern Lebensmittel-Pakete und dazu passende Rezepte. Man muss also nur mehr das Gemüse schneiden und den Herd anwerfen. 

V. Wir kommen auf den (neuen) Geschmack.

Beim so genannten „Food Pairing“ werden neue Kombinationen von Lebensmitteln und ihren spezifischen Aromen und Geschmackskomponenten optimiert und gilt als Inspirationsquelle für Köche, Barkeeper und Lebensmittelproduzenten. Dass Gurke und Dille oder Tomaten und Basilikum geschmacklich gut „zusammenpassen“, ist bekannt. Aber wie wär’s mit weißer Schokolade mit Kaviar (diese zwei Lebensmittel teilen neben anderen Geschmackskomponenten den Inhaltsstoff Trimethylamine) oder Schokolademuffin mit Blauschimmelkäse (mindestens 73 übereinstimmende Geschmackskomponenten)? Diese ungewöhnlichen Desserts serviert der Spitzenkoch Heston Blumenthal in seinem Restaurant „The Fat Duck“ in London. 

VI. Wir drucken unser Essen.

Klingt nach Science-Fiction: Einfach den Drucker einschalten, die Schnitzel-Datei senden und heraus kommt das fertige Abendessen. So einfach funktioniert das natürlich nicht. Ernährungsforscher gehen jedoch davon aus, dass „gedrucktes Essen“ bereits in wenigen Jahren zur Normalität gehören wird: Der Teig oder die Pulvermischung wird in einer Patrone in den Drucker gegeben und dann aus einer Spritzdüse langsam dosiert und geschichtet – so entstehen z.B. kreative Formen aus Marzipan, wie schon 2015 auf der Internationalen Backmesse in München vorgestellt. Das klassische Schnitzel kann der 3D-Drucker wohl nicht servieren – sondern eher kleine Pellets und Puffer aus Proteinen, Vitaminen, Algen und Geschmacksstoffen, perfekt abgestimmt auf individuelle Vorlieben. Sportler können extra Eiweiße einmischen – und ältere Menschen die Festigkeit auf ihre dritten Zähne anpassen. 

VII. Wir wollen „Fast Good“ statt „Fast Food“

Auch beim Fast Food wird Qualität wichtiger – es muss zwar schnell gehen, aber bitte frisch zubereitet, ohne Farbstoffe und Geschmacksverstärker, dafür mit regionalen Zutaten.