Leben

Parkinson rechtzeitig erkennen

Am 11. April ist Welt-Parkinson-Tag

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Morbus Parkinson betrifft rund zwei Prozent der Menschen über 65 Jahren. In Österreich sind derzeit geschätzte 16.000 Menschen erkrankt. Experten gehen davon aus, dass sich bis 2030 die Zahl der Erkrankten zumindest verdoppeln wird. Bei der Parkinson-Erkrankung gehen insbesondere Nervenzellen zugrunde, die den Botenstoff Dopamin produzieren, der unter anderem die Bewegungskontrolle steuert.

„Wir haben heute eine breite Palette von therapeutischen Optionen, um Morbus Parkinson in allen Erkrankungsstadien mit einer auf die individuelle Situation abgestimmten Kombination verschiedener Therapieansätze gut zu behandeln. Damit können wir die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten deutlich verbessern. Je früher wir damit beginnen können, umso besser. Möglichen Frühsymptomen für die Parkinson-Erkrankung sollte deshalb besondere Aufmerksamkeit zukommen, und sie sollten ehestmöglich neurologisch abgeklärt werden“, betonen zum Welt-Parkinson-Tag am 11. April Univ.-Prof. Dr. Eduard Auff, Präsident der Österreichischen Parkinsongesellschaft (ÖPG) und Univ.-Prof. Dr. Reinhold Schmidt, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie (ÖGN).

Bei diesen Anzeichen zum Spezialisten

Zu den Alarmsignalen, die auf eine beginnende Parkinson-Erkrankung hinweisen können, und die unbedingt untersucht werden sollten, gehören Zittern in den Gliedmaßen nur einer Körperseite, zum Beispiel Zittern einer Hand in Ruhe, eine Störung der Feinmotorik mit einer Verlangsamung der Bewegungen, fehlendes Mitschwingen eines Arms oder Schleifen eines Fußes beim Gehen, eine deutliche Verkleinerung der Schrift, oder unklare Gelenkschmerzen durch erhöhte Muskelspannung.

Allerdings ist zu dem Zeitpunkt, zu dem derartige Symptome auftreten, bereits ein nicht unerheblicher Anteil jener Nervenzellen im Gehirn zerstört, die für die Dopaminproduktion sorgen. „Wenn sich bei Parkinsonpatienten die typischen ersten motorischen Krankheitszeichen zeigen, kann man davon ausgehen, dass die zugrunde liegenden pathologischen Prozesse bereits Jahre zuvor unbemerkt eingesetzt und Schaden angerichtet haben“, so Prof, Auff. „In Zukunft müssen wir daher die Frühdiagnostik noch früher ansetzen und dafür neue Wege gehen.“

Entschlüsselung der Krankheits-Entstehung außerhalb des Gehirns

Mögliche Ansätze für innovative Behandlungsstrategien, die ein Ausbreiten der Erkrankung verhindern könnten, liefern die immer zahlreicheren Einsichten und Hinweise auf das Entstehen von Morbus Parkinson. Als einer der entscheidenden Faktoren im Krankheitsgeschehen konnte eine Verklumpung des Eiweiß alpha-Synuclein im Gehirn identifiziert werden, wobei offenbar das Schädigungsmuster von Zelle zu Zelle weitergegeben wird. Eine Kettenreaktion, die durch künftige Therapien gestoppt oder zumindest verzögert werden sollte. Auch gibt es zunehmend mehr Hinweise darauf, dass die pathologischen Veränderungen nicht nur im Gehirn vorhanden sind, sondern auch in anderen Nervenzellen, zum Beispiel im Darm, und möglicherweise von dort in das Gehirn „wandern“. Auch in den Nerven der Haut oder der Speicheldrüsen lassen sich die charakteristischen Protein-Schädigungen zeigen.

Effektive Therapien

Zugleich arbeiten die Experten auch laufend an einer Verbesserung und Weiterentwicklung der bereits verfügbaren Therapien, so Prof. Auff: 
„Nicht nur motorische Symptome der Parkinson-Erkrankung lassen sich immer besser kontrollieren und behandeln, sondern auch die oft sehr belastenden nicht-motorischen Krankheitszeichen wie Schlafstörungen, Depression, Angststörungen, Demenz, sexuelle Funktionsstörungen oder Inkontinenz. Das ist schon deshalb von besonderer Bedeutung, weil diese Symptome einen sehr negativen Einfluss auf die Lebensqualität haben.“ Aber auch in weiter fortgeschrittenen Phasen der Erkrankung gibt es effektive Behandlungsmöglichkeiten, so können etwa invasive Therapien wie zum Beispiel das operative Verfahren der Tiefen Hirnstimulation („Hirnschrittmacher“) zumindest einem Teil der Betroffenen zu mehr Beweglichkeit und weniger Beeinträchtigungen verhelfen.

„Die Phase, in der Betroffene ohne starke Einschränkungen leben können, hat sich dank der therapeutischen Fortschritte deutlich verlängert, und Menschen mit Parkinson können auch eine fast normale Lebenserwartung erreichen“, sagt Prof. Auff. „Umso wichtiger ist es, dass auch Angehörige besonders wachsam bei möglichen Hinweisen auf eine Erkrankung sind, da sie Veränderungen oft früher bemerken als die Erkrankten selbst, und einen frühen Behandlungsbeginn unterstützen.“