Leben

Mehr Kinder erkranken an FSME

Milder Winter – Zecken schon früher aktiv

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Der außergewöhnlich milde Winter hat in diesem Jahr zu einer früheren Zecken-Aktivität geführt – während die Zahl der Impfungen sinkt. Laut Österreichischer Ärztekammer nahmen die Frühsommer-Meningoenzephalitis-Fälle bei Kindern und Jugendlichen in den vergangenen Jahren dramatisch zu.

Frühsommer-Meningoenzephalitis ist eine Erkrankung mit grippeähnlichen Symptomen, die unter anderem zu einer Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten führen kann. Während man die – ebenfalls durch Zecken übertragene – Borreliose bei rechtzeitiger Erkennung gut behandeln kann, können bei FSME lediglich die Symptome therapiert werden.

Seit 2011 erkrankten dreimal so viele Kinder unter 15 Jahren an Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wie in den fünf Jahren zuvor – bei den Kindern bis zu sechs Jahren waren es fast viermal so viele.

„Damit ist in Österreich die Zahl der FSME-Fälle bei Kindern nun wieder ähnlich hoch wie in Tschechien und der Slowakei, wo es allerdings keine vergleichbaren Impfprogramme gibt“, so der Impfreferent der Österreichischen Ärztekammer, Rudolf Schmitzberger. Insgesamt lag die Anzahl der FSME-Fälle im Vorjahr zwar knapp unter dem Zehn-Jahres-Schnitt von 77 Fällen pro Jahr, „Sorgen bereitet uns aber dieser deutliche Anstieg von Erkrankungen bei Kindern.“ Generell fiel der größte Anteil an allen FSME-Fällen aber auch im Vorjahr auf die Gruppe der ab 50-Jährigen (56 Prozent). Die überwiegende Mehrheit der registrierten Infektionen verzeichneten auch 2015 Tirol (21), Steiermark (21) und Oberösterreich (15), während es im sonst stärker betroffenen Kärnten etwa nur zwei Fälle und im Burgenland gar keinen Fall gab.

Selten, aber möglich: FSME-Infektionen durch Rohmilch

2015 gingen zwei Meningitisfälle auf den Genuss roher Ziegenmilch zurück. Im Jahr davor waren in der Slowakei fünf Personen nach dem Verzehr von Käse aus Ziegen-Rohmilch an FSME erkrankt. In Österreich sei es zuletzt 2008 zu Schlagzeilen gekommen, als der Verzehr von Frischkäse aus Ziegen-Rohmilch bei sechs Menschen zu einer Infektion geführt hatte, wobei vier davon an FSME erkrankten. Früher war dieser Übertragungsmodus wesentlich häufiger, was sich auch an der alten Bezeichnung „biphasisches Milchfieber“ für Zeckenencephalitis zeigt. Die steigende Beliebtheit von Rohmilch-Produkten ist daher kritisch zu sehen – Schwangere sollten jedenfalls darauf verzichten.

Nur jeder Zweite korrekt geimpft

Nur 53 Prozent der Teilnehmer gaben bei einer Befragung im Vorjahr an, vollständig grundimmunisiert zu sein und rechtzeitig die Auffrischungsimpfung wahrgenommen zu haben. Der Anteil der „korrekt“ gegen FSME geimpften Österreicherinnen und Österreicher war somit zwar höher als 2104, geht aber ansonsten seit fünf Jahren stetig zurück. ÖÄK-Impfreferent Schmitzberger: „Alarmierend ist der starke Rückgang an Impfungen bei Kleinkindern, denn sie sind beim Spielen ganz besonders gefährdet: Zecken sitzen meist im Gras und auf Sträuchen bis etwa eineinhalb Meter Höhe und werden durch Berührung abgestreift oder lassen sich fallen.“ Bei Kindern sei daher der Kopf ein häufiger Infektionsort, bei Erwachsenen sind es eher die Beine und die Genitalregion.

Impfrate Kleinkindern besonders niedrig

Die Impfrate bei den Ein- bis Dreijährigen ist in den vergangenen fünf Jahren von 61 Prozent (2011) auf 44 Prozent (2015) gesunken – also um fast ein Drittel. Dazu kommt, dass hier auch Kinder erfasst sind, die z.B. nur eine Teilimpfung und damit keinen „korrekten“, also vollständigen, Impfschutz haben. 
Betrachtet man die gesamte Gruppe der Ein- bis 15-Jährigen, so waren laut Befragung im Vorjahr zwar gut drei Viertel (76 Prozent) jemals gegen FSME geimpft, aber einen verlässlichen, „korrekten“ Impfstatus hatten nur 52 Prozent. „Offensichtlich sind sich viele Eltern nicht bewusst, dass Zecken auch auf städtischen Spielplätzen in ,Beserlparks‘ sowie zunehmend in alpinen Regionen vorkommen. Aus ärztlicher Sicht ist es jedenfalls unverantwortlich, Kinder dem Risiko einer FSME-Infektion auszusetzen“, so Schmitzberger. Ein Grund für die sinkende Impfbereitschaft könne darin liegen, dass die FSME-Impfung in unterschiedlichen Impfpässen unterschiedlich eingestuft werde. Im Internationalen Impfplan werde sie etwa nur als „Reiseimpfung“ empfohlen. „Dies mag für den Internationalen Impfpass richtig sein, aber kaum ein Österreicher wird bei ,Reiseimpfung´ an FSME denken. Und das, obwohl die Zecken längst auch die heimischen Alpen- und damit Urlaubs- und Wanderregionen erobert haben und obwohl mit dem an sich begrüßenswerten Trend zu Outdoor-Aktivitäten das Expositionsrisiko steigt.“ Umso wichtiger sei es, immer wieder darauf hinzuweisen, dass die Impfung 99-prozentigen Schutz bietet – vorausgesetzt, das Impfschema wurde korrekt eingehalten (vollständige Grundimmunisierung und rechtzeitige Auffrischung).

Auch für Frauen, die eine Schwangerschaft planen, sei die Impfung wichtig, denn bei Neugeborenen FSME-geimpfter Mütter konnten spezifische schützende Antikörper nachgewiesen werden. „Die Empfehlung ,prepare for pregnancy‘ gilt somit auch für die FSME-Impfung“, erklärte Schmitzberger abschließend.

ZECKEN ENTFERNEN – SO GEHT’S:

  • Die Zecken sollten so rasch wie möglich entfernt werden. Je länger die Zecke festgesaugt bleibt, desto  größer das Infektionsrisiko.
  • Vergessen Sie zweifelhafte Hausmittelchen! Auf keinen Fall Öl, Nagellack, Klebstoff oder dergleichen auf die Zecke träufeln – das erhöht nur die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihren Speichel in die Wunde abgibt (und mit ihm womöglich Krankheitserreger).
  • Die Zecke mit einer feinen Splitterpinzette knapp über der Haut ergreifen und langsam herausziehen. Nicht drehen! Die Zecke sollte möglichst nicht gequetscht werden, weil sie sonst erst recht Erreger in die Wunde abgibt.
  • Die Einstichstelle mit einem Wunddesinfektionsmittel desinfizieren.
  • Wenn der Kopf der Zecke abreißt und stecken bleibt, beobachten Sie, ob sich die Stelle entzündet. Falls ja, auf jeden Fall zum Arzt gehen.

 

Quellen: Ärztekammer Österreich, Rotes Kreuz