Leben

Fast jeder zehnte Mensch ist depressiv

Neue Studie der Weltgesundheitsorganisation

Depression WHO web teaser

Fast zehn Prozent der Menschen leiden laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unter Depressionen oder starken Angstzuständen. Im Jahr 2013 seien rund 615 Millionen Menschen betroffen gewesen, teilten die WHO und die Weltbank mit.

Depression und Angststörungen sind weiter verbreitet, als man vielleicht vermutet. Die Zahl der Betroffenen ist laut WHO in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Das koste die Weltwirtschaft jährlich rund 900 Milliarden Euro. Die Kosten entstehen vor allem durch Fehlzeiten und Produktionsausfälle.

Humanitäre Katastrophen und Konflikte auf der ganzen Welt würden den Bedarf nach einer Ausweitung von Behandlungen weiter erhöhen, sagte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan. Die Staaten wendeten im Durchschnitt aber nur drei Prozent ihres Gesundheitsbudgets für die Behandlung mentaler Krankheiten auf. In armen Ländern liege der Anteil oft bei weniger als einem Prozent. In Krisenzeiten steige die Zahl der betroffenen Menschen zusätzlich. In diesen Situationen litten bis zu 20 Prozent der Bevölkerung unter Depressionen und Angstzuständen.

In den kommenden 15 Jahren müssten der Studie zufolge die 36 untersuchten Industrie- wie Nicht-Industriestaaten rund 130 Milliarden Euro für verbesserte Behandlungen und Medikamente in die Hand nehmen. Dafür gäbe es aber eine Steigerung der Erwerbsquote um fünf Prozent. Die Produktivität würde dadurch mit etwa 350 Milliarden Euro bewertet und die verbesserte Gesundheit bringe als Gegenleistung rund 270 Milliarden Euro ein.

Investitionen zur Hilfe Erkrankter hätten daher nicht nur gesundheitliche, sondern auch deutliche wirtschaftliche Vorteile, heißt es in der am Mittwoch in Genf veröffentlichten Studie. Ein investierter Dollar, um Depressiven und Angstpatienten zu helfen, bringe einen Nutzen von vier Dollar wegen verbesserter Gesundheit und höherer Arbeitsfähigkeit ein.

„Das ist nicht nur ein Thema für das öffentliche Gesundheitswesen - das ist eine Entwicklungsfrage. Wir müssen jetzt handeln, weil sich die Weltwirtschaft die verlorene Produktivität einfach nicht leisten kann“, sagte der Präsident der Weltbank, Jim Yong Kim.

Die Studie wurde im Journal "The Lancet Psychiatry" veröffentlicht.