Leben

Altes Eisen muss nicht rosten

Krafttraining im Alter

krafttraining im alter

Galt für ältere Menschen bis vor einiger Zeit noch das Ausdauertraining als sinnvoll, rückt nun das Krafttraining vermehrt in den Fokus. Hier wird jedoch nicht der mächtige Bizeps angestrebt, sondern aktive und lebensverlängernde Gesundheitsvorsorge. 

Trotz der positiven Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System schützt Ausdauertraining wie Nordic Walking nicht vor einem Schwund der Muskelmasse. Und dieser setzt bereits im vierten Lebensjahrzehnt ein, gepaart mit abnehmender Koordination, Kraft, Schnelligkeit und Beweglichkeit. Früher hat man bei älteren Menschen die Organe eher geschont. Heute weiß man, dass alle biologischen Systeme bis ins hohe Alter trainierbar sind – selbst über 90-Jährige können noch ganz neue Kräfte entwickeln, denn das muskuläre System von Älteren ist gut trainierbar, auch die Knochen und sogar die Sehnen. 

Warum das Ganze? Gut trainierte Muskeln haben großen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit und damit auf die Lebensqualität im Alter. Wer Kraft hat, bleibt länger selbstständig, kann ohne Stock gehen, Einkäufe problemlos erledigen und Stürze vermeiden. Außerdem wirkt das Training prophylaktisch bei Osteoporose und altersbedingtem Übergewicht. Wer jetzt top-motiviert die Mineralwasserflaschen im 6er-Pack stemmt, dem sei gesagt: Die ersten Kräftigungsübungen sollten unter Aufsicht stattfinden – zum Beispiel durch gezieltes Aufbautraining in einem Fitnessstudio. Erst nach ein paar Monaten an den Geräten kann man das freie Training starten, z.B. Kniebeugen oder mit Hanteln. Bei vorgeschädigten Gelenken ist die Konsultation eines Orthopäden ratsam. Um die Muskelmasse effektiv zu stärken, sollte man mindestens zwei- bis dreimal pro Woche aktiv werden.

Krafttraining-Experte Werner Kieser:

"Die Evolution hat kein Interesse daran, dass wir älter werden als 25. Bis dann haben wir unsere Gene normalerweise weiter gegeben. Während Sie diesen Text lesen, gehen tausende von Zellen in Ihrem Körper zugrunde. Gleichzeitig werden Tausende aufgebaut. Diesen Prozess nennen wir "Leben". Wenn wir jung sind, überwiegen die Aufbauprozesse, wir wachsen. Wenn wir alt sind, überwiegen die Abbauprozesse, wir sterben. Mit Krafttraining können wir die Evolution etwas austricksen, weil es die Aufbauprozesse auf Kosten der Abbauprozesse verstärkt."