Gesundheit

Der stille Killer: Bluthochdruck

Gastbeitrag von PD. Dr. Thomas Weber

bluthochdruck neu

Das Blutdruckmessen ist eine der bekanntesten ärztlichen Tätigkeiten und wird auch von Laien häufig durchgeführt wird. Dennoch stellt der erhöhte Blutdruck auch im 21. Jahrhundert weltweit die häufigste Ursache für Sterblichkeit und bleibende Behinderung dar. In Österreich kann man davon ausgehen, dass bis zu einem Drittel der erwachsenen Bevölkerung und zumindest 50 % der über 60-Jährigen an erhöhtem Blutdruck leiden. Der nachfolgende Artikel soll einige häufige Fragen im Zusammenhang mit Bluthochdruck beantworten. 

I. Kann man erhöhten Blutdruck spüren? 

Erhöhter Blutdruck ist nach der gängigen Lehrmeinung im Allgemeinen über viele Jahre asymptomatisch und bleibt daher häufig unbemerkt, selbst wenn schon Organschäden vorliegen. Allerdings können unspezifische Symptome auftreten: Eine große deutsche Studie hat gezeigt, dass insbesonders der stark erhöhte Blutdruck bei ca. der Hälfte aller Patienten mit den Symptomen Kopfschmerz und Schwindel einhergeht, während diese Symptome nur bei einem Drittel aller Personen mit normalem Blutdruck berichtet werden. Man hat auch untersucht, ob Normotoniker oder Hypertoniker ihren aktuellen Blutdruck gut abschätzen können, ohne ihn zu messen. Interessanterweise konnte in einer Studie jeder 3. Patient die gemessenen Blutdruckwerte mit einer Genauigkeit von 5 mm Hg richtig einschätzen, wenn der Ausgangsblutdruck bekannt war. In der gesamten Gruppe lagen die Unterschiede zum gemessenen Wert allerdings bei minus 55 bis plus 44 mm Hg. Man kann also keinesfalls auf die Blutdruckmessung verzichten! 

II. Wie soll man den Blutdruck messen?

Die Blutdruckmessung in der Ordination bleibt schon für Screening-Zwecke unverzichtbar. Dieses Screening wird für Erwachsene ab dem 18. Lebensjahr empfohlen. Da der Blutdruck während des Tages und der Nacht schon beim Gesunden, mehr noch beim Hypertoniker, beträchtlich schwankt, ist eine grössere Zahl von Messwerten erforderlich, um aus den Mittelwerten die Diagnose eines Bluthochdrucks stellen zu können. Die Österreichische Gesellschaft für Hypertensiologie empfiehlt dazu in erster Linie eine 24-Stunden-Blutdruckmessung unter Alltagsbedingungen. Alternativ dazu können auch mindestens 30 Messwerte der Blutdruckselbstmessung durch den Patienten herangezogen werden. Voraussetzung dafür ist eine adäquate Einschulung und die Verwendung eines geprüften Gerätes. Zur Steuerung einer etwaigen Therapie ist die Blutdruckselbstmessung ideal geeignet. Wichtig ist, dass die Grenzwerte des Blutdrucks von der Art der Messung abhängig sind (Tabelle). 

III. Was ist der optimaler Blutdruck? 

Erhöhter Blutdruck ist einer der häufigsten Risikofaktoren für das Auftreten von Herz-Kreislauferkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzschwäche, Nierenschwäche), die selbst wiederum die wichtigsten Todesursachen weltweit, besonders aber in westlichen Ländern, darstellen. “Optimal” in diesem Sinne bedeutet, dass das Risiko für künftige Herz-Kreislauferkrankungen am Niedrigsten ist, wenn der Blutdruck unter 120/80 mm Hg liegt, wobei hier die Arztmessung gemeint ist. Dies ist nicht notwendigerweise identisch mit dem Schwellenwert, ab dem eine medikamentöse Behandlung wegen Bluthochdruck begonnen werden sollte, um ebendiese Risiken zu minimieren oder mit dem Blutdruckzielwert dieser Behandlung.
Als allgemeiner Grenz- bzw. Zielwert gilt für die meisten Patienten (noch) 140 / 90 mm Hg (Arztmessung). Diese Zielwerte differieren je nach Messverfahren und müssen – je nach dem Stand der Wissenschaft – auch immer wieder angepasst werden. Eine kürzlich veröffentlichte Studie der US-amerikanischen Gesundheitsbehörden, die die Blutdruckzielwerte 120 und 140 mm Hg (systolischer Blutdruck) verglichen und deutliche Vorteile für den niedrigeren Zielwert gefunden hat, wird sich vermutlich bald in entsprechenden Empfehlungen der medizinischen Fachgesellschaften für ausgewählte Patienten niederschlagen. 

IV. Wie kann man Bluthochdruck vorbeugen oder ihn ohne Medikamente behandeln? 

Als Basis jeder Behandlung werden Allgemeinmaßnahmen empfohlen. Mit einer Gewichtsreduktion (bei Übergewicht) von 5 kg kann im Durchschnitt eine Blutdrucksenkung von 4,4 bis 3,6 mm Hg erzielt werden, im Einzelfall sogar deutlich mehr. Eine Reduktion der Kochsalzzufuhr auf 5 bis 6 g pro Tag senkt den Blutdruck im Mittel um 5 bis 3 mm Hg. Regelmäßiges Ausdauertraining und eine 

Diät reich an Obst, Gemüse, fettarmen Milchprodukten und Fisch – runden die Lebensstilmaßnahmen ab. Erhöhter Alkoholkonsum (mehr als 30 g/Tag bei Männern, mehr als 20 g/ Tag bei Frauen; das entspricht ungefähr 3 bzw. 2 Seidel Bier) erhöht ebenfalls den Blutdruck. 

PD. Dr. Thomas Weber; II. Interne Abteilung mit Kardiologie und Intensivstation Klinikum Wels-Grieskirchen 

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