Familie

Unbemerkt schwanger

Wie kann das sein?

unbemerkt schwanger

Die Periode bleibt aus, man wird von Übelkeit geweckt, die Brüste spannen, der Bauch wächst. Die meisten Schwangerschaften machen sich mit typischen Anzeichen bemerkbar. Kaum vorstellbar, wie man da von dem heranwachsenden Baby im Bauch nichts mitbekommen soll. Doch genau das hört man immer wieder.

"Herzlichen Glückwunsch, Sie sind im fünften Monat schwanger!"
Es ist kaum vorstellbar, dass eine Frau unbemerkt schwanger sein kann. Doch es kommt tatsächlich gelegentlich vor, dass Schwangere die typischen Anzeichen verdrängen und umdeuten.

Manchmal kommt es auch vor, dass Frauen mit starken Bauchschmerzen ins Krankenhaus kommen – und ein paar Stunden später entbinden. Doch wie kann das sein?

Wenn eine Frau unbemerkt schwanger ist, verdrängt sie in der Regel das, was nicht "sein darf". So kann es vorkommen, dass Frauen sich bereits für zu alt für ein Baby halten und überhaupt nicht mit Nachwuchs rechnen oder dass ein Kind überhaupt nicht zur Lebenssituation passt, sodass die Anzeichen einer Schwangerschaft unbemerkt bleiben oder anders interpretiert werden. Das Ausbleiben der Periode erklären sich Betroffene beispielsweise durch Stress oder zu viel Sport. Es soll sogar vorkommen, dass die Schwangerschaft so sehr verdrängt wird, dass Betroffene weiterhin ihre Monatsblutung bekommen.

Die Gewichtszunahme durch die Schwangerschaft fällt bei übergewichtigen Frauen oft nicht so deutlich auf und schlanke Frauen, die unbemerkt schwanger sind, schieben die zusätzlichen Kilos auf eine Änderung ihrer Essgewohnheiten. Die Bewegungen des Babys werden dann als Darmtätigkeit umgedeutet und die Wehen für Koliken gehalten. Beobachtungen haben ergeben, dass es sich oft um jüngere Frauen handelt, die eine Schwangerschaft nicht spüren oder aber auch ältere Frauen, die meinen bereits in den Wechseljahren zu sein. Hier stehen ganz klar die psychischen Gründe im Vordergrund. 

Ergebnisse einer Studie in Deutschland aus dem Jahr 2001

Es gibt keine wesentlichen Anzeichen, die darauf hinweisen, dass nur bestimmte Frauen von einer unbemerkten Schwangerschaft betroffen sind. Das belegte eine im Jahr 2001 durchgeführte Studie an Klinikgeburten in Berlin innerhalb eines Jahres. Jens Wessel, ein Berliner Arzt und Privatdozent, stellte bei der Studie fest, dass von 27.000 Schwangeren bei 65 Frauen eine Schwangerschaft nach der 20. Woche diagnostiziert wurde. Unter den 65 Frauen befanden sich mehr jüngere und ältere Frauen, auch Sozialhilfeempfängerinnen, doch 47 von den besagten Frauen lebten in durchaus stabilen Verhältnissen. 22 Frauen hatten einen mittleren Bildungsabschluss und sieben von den Frauen das Abitur. Bei 21 Frauen handelte es sich um die erste Schwangerschaft und viele von den Frauen hatten schon von der sogenannten "unbemerkten" Schwangerschaft gehört. 

Laut der durchgeführten Studie von Dr. Wessel sprachen von den 65 Frauen, nur 27 Frauen davon, kein Kind gewollt zu haben. Die restlichen Frauen, die die Schwangerschaft nicht bemerkt hatten, hatten eine Schwangerschaft erst zu einem späteren Zeitpunkt geplant oder standen einer Schwangerschaft sehr zwiespältig gegenüber. 

Laut Psychotherapeut Peter Rott seien Frauen, die Ihre Schwangerschaft erst spät bemerken, genauso gute Mütter wie solche, die sich während der gesamten Schwangerschaft mit dem Kind auseinandergesetzt haben. Eine gewisse Distanzierung gegenüber des Neugeborenen sei aber hin und wieder beobachtet worden. Wird eine Schwangerschaft erst sehr spät festgestellt, verfügen die betreffenden Frauen über sehr wenig Zeit, sich an die Mutterrolle zu gewöhnen. Eine psychologische Beratung und Betreuung sei empfehlenswert, in manchen Fällen sogar unumgänglich.